Das Geburtstagskind hat drei Geschwister: die Ochsenau in der Ebene, die laubbaumdominierte Isarhangleite und die Hochfläche. Die sogenannte Ochsenau im Isartal ist der flache Teil des Naturschutzgebietes im Isartal bei Auloh. Der Name Auloh hat etwas mit Tieren zu tun; genau genommen mit Schweinen. Eigentlich hieß es nämlich „Sauloh“. „Sau“ bedeutet: Hier haben die Menschen früher eine Menge Schweine gehalten. Und „loh“, das heißt, dass dieses Gebiet einmal früher nass und sumpfig gewesen ist. Kein Wunder, denn die Isar, die damals noch sehr wild war, trat ständig über ihre Ufer.

Ab 1880 war die Ochsenau ein Exerzierplatz für das Schwere-Reiter-Regiment der Max-II-Kaserne in der heutigen Podwilstraße, gegenüber des City-Centers. Heute ist die Ochsenau ein Eldorado für Insekten, seltene Pflanzen magerer Standorte und v.a. durch die geplante Bebauung von ca. 20 Hektar in ihrem Schutzcharakter bedroht.

Im 19. Jahrhundert wurden die einstigen Flächen der Hofmark Stallwang auf der Hochfläche (Spitzname: die Landshuter Rhön) an 14 Landwirte aufgeteilt. Jahrzehntelang bewirtschafteten sie die Hochfläche mit Höfen unterschiedlichster Größen. Aus Äckern, Wiesen und Obstgärten entstand eine klassische Kulturlandschaft im tertiären Hügelland durch den Einsatz von Ochsen, Sensen und die kräftezehrende Bearbeitung im Wechsel der Jahreszeiten. Typische Kulturfolger wie die Heidelerche fanden hier ihren Lebensraum.

In der Zeit des Nationalsozialismus trainierte die Reichswehr auf den Flächen der enteigneten Bauern für den geplanten 2. Weltkrieg. Nach dessen desaströsem Ende nutzen die Amerikaner und die Bundeswehr die Hochfläche vor allem zur Übung von Panzergefechten. Die Ketten zerstörten die einst mühsam kultivierten Nutzflächen. Als einer der wenigen Zivilisten hatte der örtliche Naturschutzexperte Paul Riederer einen Passierschein zur Betretung und Befahrung des inzwischen sehr wertvollen Biotopkomplexes für Amphibien, Insekten und seltene Pflanzen. Rund um die Uhr kartierte und dokumentierte er gemeinsam mit seinem Sohn jahrzehntelang den einmaligen Wert des Gebietes.

So legte er mit weiteren Gebietskennern den Grundstein zur Ausweisung des Naturschutzgebietes im Jahr 2001. Der Autor Hans Krieger schrieb damals: „Eine höchst unfriedliche Art des Zusammenwirkens von Mensch und Natur wird abgelöst durch eine friedfertigere.“ Landshuts größtes Schutzgebiet erfreut sich auch als Naherholungsgelände größter Wertschätzung. Der Blick auf das Kernkraftwerk im nahen Ohu mahnt, dass menschliche Eingriffe oft noch Jahrtausende nachwirken. Hoffen wir, dass das junge Naturschutzgebiet dauerhaft gepflegt und gegenüber weiteren Begehrlichkeiten künftiger Generationen erhalten bleibt.

HW
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