Die UNESCO hat 2026 zum Gedenkjahr für Joseph von Fraunhofer ausgerufen. Der Anlass ist sein 200. Todestag, der Grund sind nicht nur seine revolutionären Entdeckungen und Forschungen im Bereich der Optik und des Lichtes, sondern auch deren Umsetzung in die Praxis: „Joseph von Fraunhofer verkörpert wie kaum ein anderer die Verbindung von wissenschaftlicher Neugier, handwerklicher Präzision und gesellschaftlicher Verantwortung.“ Ein verwaister armer Glasersohn aus Straubing, ein Niederbayer mit Weltruhm!
Joseph Fraunhofer wurde am 6. März 1787 als elftes Kind einer Glaserfamilie in einem Haus am Straubinger Rindermarkt geboren. Mit zwölf Jahren bereits Vollwaise kam er zum Münchner „Spiegelmacher und Ziraten Glasschleifer“ Philipp Anton Weichselberger in die Lehre. Als im Juli 1801 das Haus seines Lehrherrn einstürzte, konnte Fraunhofer im Beisein des Kurfürsten Maximilian Joseph und des vielseitigen Technikers Joseph von Utzschneider unter dramatischen Umständen gerettet werden. Utzschneider fand Gefallen an dem wissbegierigen Glaserlehrling, förderte ihn und nahm ihn schließlich 1806 in sein „Mathematisch-Mechanisches Institut“ auf. Bereits drei Jahre später leitete der erst 22-jährige Fraunhofer die zum Institut gehörende Glashütte in Benediktbeuren. Fraunhofer revolutionierte nicht nur das Schleifen, Polieren und Zentrieren der Linsen mit neuen Maschinen und Messverfahren, sondern forschte auch nach der „idealen Rezeptur“ für Linsenglas. Er verband hierbei als einer der ersten in Bayern wissenschaftliche Grundlagenforschung mit technisch-praktischer Anwendung. Das Unternehmen von Utzschneider und Fraunhofer wurde bald zum Marktführer für Fernrohre, Mikroskope und Lupen in Europa. Der Autodidakt Fraunhofer wurde zum „Begründer der wissenschaftlichen Methodik im Bereich der Optik und Feinmechanik“ sowie zum „Pionier der deutschen Präzisionsoptik“.

Fraunhofer-Büste am Geburtshaus in Straubing (Foto Peter Schwarz, Stadtarchiv Straubing)
„Ich wollte suchen, ob im Farbenbilde von Sonnenlichte ein ähnlicher heller Streif zu sehen sey, wie im Farbenbilde vom Lampenlichte, und fand anstatt desselben mit dem Fernrohre fast unzählig viele starke und schwache vertikale Linien, die aber dunkler sind als der übrige Theil des Farbenbildes; einige scheinen fast ganz schwarz zu seyn.“ So einfach und unscheinbar klingt Fraunhofers größte Entdeckung: Mit Hilfe der im Sonnenlicht beobachteten und nach ihm benannten Linien hatte Fraunhofer den Grundstein gelegt zu einem äußerst wichtigen Gebiet der Physik, der Spektroskopie, die ein Element nach der nur ihm eigenen Linienkombination im Licht untersuchen kann. Fraunhofer sind letztlich Erkenntnisse über die Sonnenatmosphäre und über Fixsterne, Abertausende von Lichtjahren entfernt, genauso zu verdanken wie das Wissen über den inneren Aufbau eines Atoms. Ebenfalls bahnbrechend waren Fraunhofers Untersuchungen zur Lichtbeugung. Fraunhofers Bedeutung, seine Genialität waren bereits zu Lebzeiten erkannt und bekannt worden. Person und Leistung Fraunhofers genossen nationales und internationales Ansehen. König Ludwig I., ein besonderer Verehrer Fraunhofers, verlieh ihm den Zivilverdienstorden der Bayerischen Krone und erhob ihn damit in den Adelsstand. Der russische Zar soll höchstpersönlich das Riesenfernrohr für die Sternwarte in Dorpat, das berühmteste Werk Fraunhofers, bestellt haben.

Fraunhofer-Denkmal am Straubinger Herzogsschloss von 1910 (Foto Peter Schwarz, Stadtarchiv Straubing)
Der ständige Umgang mit giftigen Chemikalien griff Fraunhofers Gesundheit an, zudem erkrankte er an Lungentuberkulose. Seinen frühen Tod betrauerte der Sprachforscher Andreas Schmeller, wie Fraunhofer Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, in einem bewegenden Nachruf: „Fraunhofer, der schon einmal aus dem Grabe Erstandene, um die Himmel und die Quellen des Lichtes, näher als ein Sterblicher vor ihm, zu schauen, zum zweiten Mal und ach für ewig begraben. Er war ausgelöscht am 7. Juni 1826.“
Bereits 1827 benannte der Straubinger Stadtmagistrat den „Rindermarkt“ in „Fraunhofer-Straße“ um, brachte am Geburtshaus eine Bronzebüste und zwei Gedenktafeln an. Das bereits damals geplante „größere“ Ehrenmonument wurde erst 1910 Realität: Geschaffen vom Münchner Kunstprofessor Hermann Hahn erhielt das steinerne Denkmal seinen Platz am Herzogsschloss. So wie Fraunhofers im Zweiten Weltkrieg zerstörtes, dann wieder errichtetes Grabmal im Alten Südlichen Friedhof in München trägt es die Inschrift „Approximavit sidera“ – „Er brachte die Sterne näher“. In München wird Fraunhofer unter anderem seit 1846 durch eine Büste von Michael Haller in der Ruhmeshalle und seit 1868 durch das von König Max II. initiierte Denkmal, entworfen von Johann Halbig, in der Maximilianstraße geehrt.

Grabstätte im Alten Südlichen Friedhof in München (Foto Dorit-Maria Krenn)
Weltweit verbreitet die 1949 gegründete Fraunhofer-Gesellschaft, die größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa mit über 32.000 Mitarbeitern, die Erinnerung an den genialen Straubinger. Mit der Fraunhofer-Gesellschaft, aber auch mit den vielen, auf Fraunhofers Forschungen und Erkenntnissen basierenden modernen Techniken, wie Datenübertragung durch Glasfasern oder die Anwendung von Laserstrahlen in Industrie und Medizin, haben sich die schwelgerischen Worte des bayerischen Innenministers Eduard Schenk bewahrheitet – er dichtete 1831 in einer Ode auf Fraunhofer: „Ein hoher Geist hat diesen Leib bewohnt, / Ein Geist, der jetzt in seiner Heimat thront. / Denn seine Heimat war die Erde nicht, / Die Sternenwelt war’s und das ewige Licht. … Allein sein Name lebt, sein Werk / In Bayern stets, in allen Ländern fort.“
Dorit-Maria Krenn
Information:
Die Stadt Straubing bietet von Juni bis September 2026 ein umfangreiches Programm zu Fraunhofer an, mit Ausstellungen, Führungen, Vorträgen, Lesungen, Exkursionen, siehe https://www.straubing.de/aktuelle-meldungen/5512.Jubilaeumsprogramm.html. Die Historische Fraunhofer-Glashütte im Kloster Benediktbeuern ist nach längerer Renovierung wieder geöffnet, siehe https://www.benediktbeuern.de/fraunhofer-glashuette/
