Regionale Schmankerl genießen und dabei Gutes für die Umwelt tun – klingt das nicht allzu sehr nach Werbeprospekt und heiler Welt? Durchaus nicht, betrachtet man Initiativen genauer, die es sich auf die Fahnen geschrieben haben, für Regionalität und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und dabei unser Verantwortungs- und Qualitätsbewusstsein zu stärken. Für derart zukunftsfähige Ideen macht sich auch die Initiative „Wasserschutzbrot“ stark: Das gemeinsame Ziel der beteiligten Landwirte, Müller, Handwerksbäcker und Wasserversorger ist es, unser Trinkwasser zu schützen und regionale Wirtschaftskreisläufe zu fördern. Wenn wir als Endverbraucher mitmachen und uns für das Wasserschutzbrot begeistern, schützen wir gemeinsam und mit Genuss das Grundwasser, aus dem wir unser Trinkwasser gewinnen.

Worum geht es dabei genau? Landwirte erklären sich dazu bereit, beim Anbau von Backweizen auf die letzte Stickstoffgabe vor der Erne zu verzichten. Dies verringert die Auswaschung von Nitrat in unser Grundwasser. Zugleich verringert sich jedoch der hohe Proteingehalt des Korns und damit der Eiweißgehalt des Weizens, der die Backeigenschaften beeinflusst. Der Umgang mit diesem Weizen verlangt eine spezielle handwerkliche Fertigkeit der weiterverarbeitenden Bäckereien, die mit dem Backweizen das so genannte Wasserschutzbrot herstellen. Er wird daher getrennt vermahlen und gelagert. Die Idee überzeugt: Das Brot verbindet Regionalität und Grundwasserschutz mit Genuss. Nicht umsonst wurde das niederbayerische Wasserschutzbrot vom Deutschen Brotinstitut mit der Note „sehr gut“ ausgezeichnet.

Die Regierung von Niederbayern koordiniert das Projekt „Wasserschutzbrot Niederbayern“, das Teil der „Aktion Grundwasserschutz“ ist. Unterstützt wird sie vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau und dem bayerischen Landesamt für Umwelt. Was im Sommer 2020 in Niederbayern mit dem Wasserzweckverband Rottenburger Gruppe, einem Landwirt, einem Müller und vier Bäckereien begann, hat nach eineinhalb Jahren bereits erfreuliche Kreise gezogen: Die Anbaufläche wurde mittlerweile verzehnfacht, beteiligt sind in Niederbayern bereits fünf Wasserversorger, sechs Landwirte, drei Mühlen und sechs Bäckereien. Wo man das Wasserschutzbrot in der Region erwerben kann, erfährt man auf der Projekthomepage: https://wasserschutzbrot.de/verkaufsstellen/?locations=203&radius=10

In Franken läuft das Projekt bereits seit 2014. Dort konnten Bodenproben den Erfolg deutlich messbar machen: Der herbstliche Nitratgehalt im Boden halbierte sich im Vergleich zu „normal“ gedüngten Weizenflächen. Wie schön, wenn ein jeder von uns mit dem Kauf eines Wasserschutzbrots direkt dazu beitragen kann, die Nitratbelastung unseres Grundwassers zu reduzieren – lassen Sie es sich schmecken!

VK
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