Bevor Indigo in unsere Breiten kam, hat man sich mit Färberwaid begnügen müssen. Nachdem die Europäer einen Seeweg nach Indien gefunden hatten, kam allmählich, zusammen mit Indigo, das Blaudruckverfahren zu uns. Der Handdruck mit hölzernen Modeln ist die älteste Art, Stoffe zu bedrucken. Ein Model funktioniert vom Prinzip her wie ein Stempel.

Diese alte Handwerkskunst ist beinahe vergessen. Einer der letzten Menschen, der diese Kunst noch beherrscht ist Josef Fromholzer. Er lebt in Ruhmannsfelden im Landkreis Regen und führt heute noch, er ist weit über 90 Jahre alt, die Stoffdruckerei Fromholzer.

Seit dem Mittelalter sind die Fromholzers schon Färber. 1821 zogen sie nach Ruhmannsfelden. Ihre Handdruckerei und Färberei ist, neben einem Blaudruck-Betrieb in Bad Aibling, der einzige noch existierende Meister-Handwerksbetrieb in Bayern. Mit dem Aufkommen der industriellen Massenproduktion im 19. Jahrhunderts verlor der handwerkliche Blaudruck an Bedeutung. Viele Druckereien mussten schließen. Deutschlandweit üben heute noch zwölf Betriebe dieses Handwerk aus, europaweit sind es 15 weitere Werkstätten.

Im Archiv von Josef Fromholzer befinden sich Musterbücher, Model – der älteste ist über 300 Jahre alt – Aufzeichnungen zu Mustern und Farbrezepturen. Wanderbücher und Briefe der auf der Walz befindlichen Gesellen verdeutlichen die Entwicklung und den Wandel der Zeit.

Die große Bedeutung des Blaudrucks hat die UNESCO im Jahr 2018 mit der Aufnahme in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit gewürdigt. Dass die grenzübergreifende Zusammenarbeit die Blaudrucker seit jeher prägt, war bereits in der Nominierung deutlich – eingereicht wurde sie gemeinsam von Deutschland, Österreich, der Tschechischen Republik, der Slowakei und Ungarn.

Für Josef Fromholzer besteht kein Zweifel: Der Blaudruck lebt! Junge Designer mit neuen Ideen geben ihm darin recht.

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Foto: Ines Kohl