„Alle Wege führen nach? Immer in die Provinz“ – so wirbt die etwas andere Land- und Gastwirtschaft Niedereulenbach an der Kelheimer Straße für ihre „Provinzbühne“, die coronabedingt viele Monate KünstlerInnen und ihren z.T. weit angereisten Fans keinen stimmungsvollen Auftritt ermöglichen konnte.

Die bis 1974 selbstständige Gemeinde Niedereulenbach wurde bereits im 10. Jahrhundert „ Alinpah“ als Schenkung des Grafen Eberhard an das oberbayerische Kloster Ebersberg erwähnt. Und für das „Ainpach inferior“ Niedereulenbach wurde auch die spätgothische und 1720 barockisierte Filialkirche St. Peter und Paul errichtet.

Rund 650 m westlich der Staatsstraße 2143 Richtung von Rottenburg nach Rohr steht eine stolze Eiche von ca. 175 Jahren als versteckter Naturschatz hinter der Kirche. Es ist ein Grenzbaum des Anwesens Eichen(!)weg Nr. 2. Ihr Stammumfang von über 5 m hat die Stadt Rottenburg veranlaßt, sie im August 2016 in Abstimmung mit dem Eigentümer als Naturdenkmal eintragen zu lassen, „um sie dauerhaft in ihrem Bestand zu schützen.“ So ging die Verkehrssicherungspflicht von der Stadt auf den Landkreis über. Das Stammende krallt sich wie ein riesiger Elefantenfuß in die Böschung am Straßenrand. Der jetzige Besitzer Josef Hirsch erinnert sich, dass er und seine Spezln als Kinder gerne „aufikragelt seien“.

Das knorrig gewachsene Eichenholz mit seiner griffigen tief eingerissenen Rinde ist dauerhafter als alle anderen europäischen Hölzer und wurde im Mittelalter ausschließlich für Fachwerkhäuser und im Schiffbau verwendet. Man schätzt, dass im legendären britischen Eichenwald des 18. Jahrhunderts etwa 500.000 Eichstämme einzig für Schiffszwecke gefällt wurden! Die Stiel-Eiche lieferte einst das begehrteste Bauholz. da ihre gekrümmten Äste die gebogenen Balken lieferten, die als Stützstreben und für Dachstühle benötigt wurden. Auch im Müllereigewerbe, für Fassbinderei, Gerberei und andere Handwerksberufe war die Eiche der Brotbaum. Heute stehen 300jährige Exemplare dank ihres hervorragenden Furnierholzes hoch im Kurs.

Eine weitere Stiel-Eiche in der südlich gelegenen Kellerstraße verrät, dass es sich dabei zusammen mit etlichen Rosskastanien um einen gezielt gepflanzten Baumhain über einem ehemaligen Bierkeller handelt. Das Exemplar mit der Naturdenkmalnummer 2.200 des Landkreises wird von der Unteren Naturschutzbehörde auf ca. 350 Jahre geschätzt. Dank dieser biologischen Kühlanlage mit einer Kronenbreite und Höhe von 20 m ließ sich mit den Kastanien das wertvolle Brauereigut zig jahrzehntelang optimal temperieren. Das war möglich durch knackige Winter und starke Eisblöcken aus Weihern, die in Zeiten des Klimawandels arg rar geworden sind. Dieser Keller gehörte den Vorfahren der heutigen Gastwirtsfamilie Kahlert.

Auf der neu errichteten Nistmöglichkeit im nahe gelegenen ehemaligen Brauereigebäude nistet seit 5 Jahren mit Unterbrechungen auch wieder ein Storchenpaar. Es findet auf den staatlich geförderten Wiesenbrüterflächen der umliegenden Landwirte im Großen Laabertal genug passende Nahrung für die Aufzucht seiner Jungen. Und eines Tages ist nach dem Umbau ein Neustart der „Provinzbühne Niedereulenbach“ mit großer Wiedereröffnungsfeier geplant. Dann lässt sich ein Besuch der Naturschmankerl auch wieder mit dem ein oder anderen Kulturschmankerl verbinden.

HW
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