Das Konzentrationslager Flossenbürg hatte etwa 80 Außenlager, eines davon im Norden Plattlings, in Höhenrain. Heute stehen dort unweit der Autobahn Fabrikgebäude. Nichts deutet auf ein ehemaliges Konzentrationslager hin.

Warum war das Außenlager Plattling genau an dieser Stelle? Ab 1938 entstand in Höhenrain ein Rollfeld für einen Schulungsflugplatz. Für Propellerflugzeuge reichte das Rasenrollfeld aus, nicht jedoch für die gegen Ende des Krieges neu entwickelten turbinenbetriebenen Düsenjäger wie die „Messerschmitt Me 262“. Eine betonierte Start- und Landebahn musste gebaut werden.

Das Rollfeld in Höhenrain war neben Gannacker und Straubing-Mitterharthausen einer der drei Stützpunkte des „Kampfgeschwaders 55“, das ab Herbst 1944 nach Niederbayern verlegt worden war, aber bis Ende Januar 1945 fast keine Flugzeuge hatte. Und auch die für die in Höhenrein und Gannacker geplanten aber nie fertiggestellten betonierten Start-und Landebahnen vorgesehenen Düsenjäger sind nie angekommen.

Das rote Viereck bezeichnet ungefähr den Standort des Außenlagers und des späteren Flüchtlingslagers.

Das rote Viereck bezeichnet ungefähr den Standort des Außenlagers und des späteren Flüchtlingslagers.

Für Erdarbeiten und den Bau des Flugfeldes in Höhenrain wurden ab Februar 1945 etwa 500 Häftlinge von Flossenbürg nach Plattling verlegt und zuerst im Gebäude der ehemaligen Knabenschule hinter der Magdalenen-Kirche und ab März/April 1945 in Baracken auf dem Gelände der Ziegelei Frohnauer in Höhenrain untergebracht. Über die Hälfte der Häftlinge kam bei den Arbeiten ums Leben, die sie unter menschenunwürdigsten Bedingungen durchführen mussten. Misshandlungen und willkürliche Morde durch Kapos und SS waren alltäglich. Eine Woche bevor die Amerikaner am 1. Mai 1945 das Lager befreiten, evakuierte die SS das Lager und die überlebenden Häftlinge mussten nach Süden marschieren. Viele der allesamt unterernährten Häftlinge starben an Erschöpfung oder die SS-Mannschaft tötete sie, wenn sie nicht weiterlaufen konnten. Der Weg führte sie über Landau, wo Häftlinge aus Ganacker und Regensburg dazukamen, Arnstorf, Eggenfelden, Mühldorf und in die Gegend von Traunstein. Dort erschossen die SS-Männer, bevor sie flohen, in einer Kiesgrube und einem Waldstück fast 300 Häftlinge. Südlich von Traunstein haben die amerikanischen Truppen die Überlebenden schließlich befreit.

Nach Kriegsende diente das ehemalige Außenlager in Höhenrain zuerst kurze Zeit als Internierungslager für zu entnazifizierende Personen und wurde danach ab Sommer 1946 zu einem erst 1956 aufgelösten Flüchtlingslager erweitert, das einigen tausend Menschen Unterkunft bot, hauptsächlich ungarische und sudetendeutsche Familien.

Literatur:

Elisabeth Brantl: Das Flüchtlingslager Michaelsbuch, in: Deggendorfer Geschichtsblätter 7 1986, S. 103–128.

Norbert Elmar Schmid. Fabriken des Todes. Ganacker und Plattling: KZ-Außenkommandos und Todesmärsche, in Deggendorfer Geschichtsblätter 17 1996, S. 273–326.

Georg Artmeier: Die Außenkommandos des Konzentrationslagers Flossenbürg: Ganacker und Plattling, in: An der unteren Isar und Vils 24, 1990/91.