Niederbayern hat innerhalb weniger Monate in Sachen Kirchentitel ein erstaunliches „Upgrade“ erlebt. Gleich drei Kirchen wurden vom Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in den Rang eines Münsters erhoben: Die Stadtpfarrkirche St. Johannes in Dingolfing (8. Oktober), die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Deggendorf (12. Oktober) und zuletzt die ehemalige Klosterkirche St. Anna in Gotteszell (16. November).
Grund dafür ist das Heilige Jahr, das sich der Diözesanbischof zum Anlass nahm und die Möglichkeit eröffnete, sich für diese Auszeichnung zu bewerben. Der Kriterienkatalog war gar nicht leicht zu erfüllen, darunter war etwa, dass die Kirche in der Ortsgeschichte eine kontinuierlich hohe Bedeutung für das religiöse Leben besitzen sollte. Sie sollte darüber hinaus auch in der Diözese einen gewissen Bekanntheitsgrad haben, ein klösterlicher Ursprung sei von Vorteil. Das Gotteshaus sollte architektonisch und künstlerisch von hervorragender Bedeutung sein. Auch die Ausstattung mit einer großen und wertvollen Orgel und die Pflege der sakralen Musik empfehle sich für eine Erhebung.
Gerade der klösterliche Hintergrund war wohl auch bei der St. Anna Kirche in Gotteszell mit ein wichtiger Grund. Die Entstehung des Zisterzienser-Klosters Gotteszell geht auf das Jahr 1285 zurück. Die Kirche, die der Heiligen Mutter Anna geweiht ist, wurde im Jahr 1339 fertiggestellt. „Das dreischiffige Kirchenschiff wurde bereits im Mittelalter erfurchtsvoll als Anna-Münster bezeichnet. Die romanische Basilika erhielt durch die Gebrüder Asam eine kunsthistorisch wertvolle Ausstattung, die jene in der Umgebung weit überragt“, hob der Bischof hervor. Er verwies zudem auf die einst blühende Anna-Wallfahrt sowie auf die besondere Orgel der Firma Jann und die intensive Pflege der Kirchenmusik.
Für die drei Orte und ihre Einwohner war der Tag der Erhebung sicherlich „erhebend“ im eigentlichen Sinne. Schließlich bekommt man nicht alle Tage ein Münster.Nach der Eucharistiefeier segnete Bischof Rudolf jeweils die neuen Gedenktafeln, die künftig an die Münstererhebung erinnert.
Manuela Lang